Die Straße, die nach Walungu führt, ist nichts als ein matschiger, mit
Löchern übersäter Weg; die Fahrkünste der kongolesischen Fahrer sind hier
besonders gefordert! Eine Fortbewegung ohne Geländewagen ist hier unmöglich!
Walungu befindet sich 40 Kilomenter südwestlich von Bukavu, der Hauptstadt des
Südkivu, einer herrlichen Hügellandschaft, die zum großen See führt.
Unterwegs steigen hier und da Krankenschwestern in den Wagen oder eine
hochschwangere Frau. Noch zwei Stunden Buckelpiste…
Wir kommen in Walungu an. Die orangefarbenen Gebäude des Gesundheitszentrums
befinden sich auf einer bewaldeten Fläche, in der Ferne ist der Mulume Munene
sichtbar, ein wunderschöner, grünschimmernder Berg. Die Hütten, Häuser, die
Kirche und einige kleine Geschäfte umsäumen das Krankenhaus.
Dieses selbst ist gut konzipiert worden: Es besteht aus Pavillons, die durch
überdachte Pfade verbunden werden, was bei diesem Klima auch notwendig ist :
Eine brennende Sonne wechselt sich mit Regengüssen ab. Die Patienten werden auf
antiquierten Tragen transportiert. Im sogenannten Biniola leben die werdenden
Mütter in Gemeinschaft : Wohnen, Kochen und auch die entspannten Augenblicke
werden zusammen verbracht und frau frisiert sich gegenseitig.
Das
Krankenhauspersonal muss beständig improvisieren ; die Helfer sind für die
Nachtwachen zuständig und sind ständig überlastet. Die frisch operierten
Patienten müssen gepflegt werden (Pritonitis, offene, infizierte Wunden und
Risse) und es gibt auch viele Malariapatienten. Ein Flur ist ausschliesslich
für unterernährte Kinder vorgesehen. Ein Pilotprojekt ist der Gemüsegarten:
Er versorgt die Patienten mit Bohnen, Karotten, Kohl, Fenchel, Kartoffeln und
allen erdenklichen frischen Gemüsen, die hier bei dem Klima prächtig gedeihen!
In der Apotheke wird das Wasser sterilisiert, Zucker und Salz werden auf der
Waage dosiert und gewogen und Infusionen werden präpariert. Der Prozentsatz
unerwünschter Reaktionen auf diese Dosierungen ist sehr gering und beweist, wie
effektiv hier mit kleinen Mitteln gearbeitet wird! Dies gilt auch für die
postoperativen Infektionen, die selbst im Vergleich zu unserem Umfeld
verschwindend gering sind.
Das Labor besteht lediglich aus einem kleinen Raum,
ausgestattet mit einem Regal, wenigen Reagenzien und Minimalausstattung. Dadurch
können nur Basistests durchgeführt werden, was die Ärzte und deren Diagnostik
unter höchste Belastungen stellt. Das Pflegepersonal und die Ärzte sind somit
oft auf ihre Erfahrung und Intuition angewiesen. Nur wenige Patienten können
für ihre Behandlungen zahlen, dies obwohl die Preise nach unseren Vorstellungen
sehr niedrig sind: 8 $ US für eine Niederkunft, 40 $ für einen Kaiserschnitt
oder andere geringere operative Eingriffe. Für Endoskopien müssen die
Patienten nach Bukavu.
Trotz all dieser Widrigkeiten werden wir mit Freundlichkeit
und einem Lächeln empfangen. Vom Direktor der Klinik bis zum Verantwortlichen
der Wäschebevorratung nimmt sich jeder die Zeit für Erklärungen und alle
geben ihr Bestes, um das Krankenhaus am Laufen zu halten. Freundschaften werden
schnell geschlossen. Man kennt sich. Bei euch da unten, in Europa und hier im
Südkivu verfolgen alle das gleiche Ziel und dies mit der gleichen Energie und
Entschlossenheit. Kurzum : Wir sind solidarisch!
Im Namen aller Mitarbeiter : Vielen Dank!